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Mittwoch, 22. Juni 2016

Elvira Bach Performance Dinner

Vor der Sommerpause gab es am vergangenen Samstag ein neues Performance Dinner zur Berliner Malerin Elvira Bach.

Die Performance Dinner-Tafel
Bach wurde 1951 in Neuenhain geboren, und die Galerie am Dom widmet ihr nun zum 65. Geburtstag eine große Ausstellung in Kelkheim.
Nach einer unbeschwerten Kindheit in einem Obstbaubetrieb erkundete Bach mit ihrer Zwillingsschwester Ingrid die Welt, damals noch etwas vorsichtiger und schüchterner als ihre etwa 30 Minuten ältere Schwester.
Mit einer gehörigen Portion Mut und etwas Naivität bewarb sie sich nach einer Lehre an der Glasfachschule Hadamar an der HDK in Berlin für den Malereikurs und wurde angenommen. Ins wilde Studentenleben taumelnd, genoss sie die Großstadt; sie machte viel Party, knüpfte Kontakte, arbeitete am Theater und malte, malte, malte.
Die ersten Bilder wurden, wie auch bei anderen Mitgliedern der „Neuen Wilden“, in leerstehenden Ladenflächen und Ähnlichem ausgestellt.  Es folgten schon bald eine Teilnahme an der documenta sowie weiteren weltweit angesehenen Ausstellungen. Bach wird zwar als Mitglied dieser Gruppe genannt, doch betont sie vehement, dass sie im tiefsten Herzen eine Einzelgängerin sei!
Während eines ihrer künstlerischen Aufenthalte im Ausland lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, der aus dem Senegal stammte. Er kam mit nach Berlin, und schon bald stellte sich der erste Nachwuchs ein.
Hin- und hergerissen zwischen dem Leben als Künstlerin und den Pflichten einer Mutter, beschloss Bach, eine (männliche) Nanny anzuheuern. Trotzdem konnte sie nun natürlich nicht mehr allzu viel Party in der Nacht machen, zumal sie intensiv an einem Küchendiva betitelten Werkkomplex arbeitete. Hierin verband sie alle Elemente des häuslichen Alltags und des Mutterseins, bestand aber zugleich darauf, nicht als graues Mäuschen abgestempelt zu werden und ein Dasein als Heimchen am Herd zu fristen. Daher zeigen ihre Porträts Frauen, die trotz aller Arbeit mit Lippenstift, High Heels, Prosecco und guter Laune durchs Leben gehen.

Und mit solchen Gefühlen starteten wir auch ins Performance Dinner.

© Elvira Bach: Grüße an Chardin

Mit einem Cocktail aus Lillet Blanc, Pfirsichlikör, Orangenbitter und Prosecco begann der Abend. Dazu gab es ein Kartoffelbrot mit einer Fischrogen-Zitronenbutter.

Grüße an Charin-Cocktail

Kartoffelbrot

Fischrogenbutter

Der Gruß aus der Küche bestand aus einem Citrusgranita mit Jakobsmuschel und in Jasmintee eingelegten Radieschen.

© Elvira Bach: o.T. (Frau mit Radieschen)

Citrusgranita, Radieschen und Jakobsmuschel

Die Vorspeise war ein Erdbeersalat mit gegrillter und sauer eingelegter Gurke sowie Parmesan, Pistazien und Balsamico.

© Elvira Bach: Zur Zeit der Erdbeerernte geboren

Erdbeersalat mit Gurke

Der nächste Gang bestand aus einer Hafermilchcreme, die wir mit gebratenen Mu-Errs, Spargelconfit und roh geraspeltem Spargel servierten.

Beim Erläutern des nächsten Ganges

Spargel mit Mu-Err und Hafercreme

Das Hauptgericht war an diesem Abend ein in Bockshornklee mariniertes Stück Huhn mit weißer Süßkartoffel aus der Salzkruste und einer Matetee-Hollandaise.


©Elvira Bach: Kartoffelschälerin

Grillhuhn mit Süßkartoffel und Matetee-Hollandaise

Als süßes Finale servierten wir ein Nougattörtchen mit Kumquats und Sauerkirschgelee.

©Elvira Bach: Bin ich schön

Nougattörtchen mit Kirschen und Kumquats

Und das Petit Four stellte das aktuelle Selbstporträt aus dem Jahr 2015 nach, auf dem die Künstlerin hinter großen Sonnenbrillengläser zu sehen ist und eine Batterie an Gläsern vor sich stehen hat. Kulinarisch umgesetzt wurde dies durch einen Zartbitter-Cassis-Trüffel.

© Elvira Bach: Selbst


Dienstag, 29. März 2016

Trai i Mondi - Carin Grudda Performance-Dinner

Die Dinnertafel
Nach zwei Performance-Dinners zur Carin-Grudda-Ausstellung „Tra i Mondi“ im Stadthaus am Dom, Wetzlar, wird Bilanz gezogen.

Beide Abende waren – hoffentlich nicht nur in meinen Augen – eine gelungene Reflektion der ausgestellten Werke. Die Künstlerin sprach sogar davon, dass sie nun endlich auch mal ihre Bilder geschmeckt habe.

Während das erste Dinner eine eher gediegene Atmosphäre aufwies, wurde beim zweiten von Anfang an schallend gelacht.

Die Menükarte
Tartelette mit geschmortem Zwiebeldip

Gefolgt wurde dies mit einem Gruß aus der Küche, bestehend aus einem Selleriecremepüree mit Trüffelöl, einer gebratenen Jakobsmuschel und dünn geschabten Selleriestangen, die – in Eiswasser gelegt – sich aufkringelten wie Mäuseschwänze.
Während sie auch weiterhin immer wieder einmal auf diese Methode zurückgreift, hat sie sich im Laufe der Zeit immer weitere Arbeitsweisen angeeignet. Als erstes kam die Malerei hinzu, dann – Anfang des neuen Jahrtausends – die Bronzeproduktion. Bei dieser formt Grudda aus Ton ihre Fabelwesen und kreiert so ganz kleine bis riesengroße Skulpturen, die (je nach Größe) den Küchentisch oder auch den Park bzw. eine Fußgängerzone schmücken können.
Da Grudda bei allen (Raum fordernden) Arbeitsschritten anwesend sein möchte, hat sie sich bald ein Stück Land im toscanischen Lingueglietta zugelegt, wo seitdem ihr Skulpturenpark immer größere Maße annimmt. Dort werden die Bronzen zum Auskühlen auf Bretter abgelegt; in den dabei erzeugten Brandflecken erkennt die Künstlerin oft neue Formen. So entstehen nun auch Assemblagen auf verbranntem Holz, auf denen sie zeichnet und Fundstücke  hinzufügt.
Aus all diesen Bereichen ließ ich mich zu diesem Performance-Dinner inspirieren. Hier ein paar Bilder vom Essen:
Das Essen begann mit einem Pecorino-Kakaobohnensplitter-Tartlet mit einem 
Schmorzwiebel-Dip.

Black Phoenix Cocktail




(c) Carin Grudda: Großer Phönix
Jakobsmuschel à la "Mäusenest"


Als nächstes gab es eine an Gazpacho erinnernde kalte Erdbeercreme, die mit getrockneter und frischer Minze verfeinert war.
Kalte Erdbeercreme
(c) Carin Grude: Erdbeerliebchen
Während der Präsentation
 Darauf folgte ein Stück Burrata mit Blutorangen, Basilikum und einem Dressing aus geröstetem Koriandersamen, Lavendel und Honig.

Burrata mit Blutorange
Weiter ging es mit einem geschmorten Stück Huhn, welches in einer Marinade aus Bergamottensaft und -zeste, Lorbeer, Chili, Zimt und vielen weiteren Gewürzen mariniert war. Dazu ein Kartoffelrisotto mit frittierter Ahler Wurscht.


(c) Carin Grudda: Rennhühn

Huhn auf Kartoffelrisotto

Der Hauptgang bestand aus gezupfter Rehschulter, die mit einer Schokoladen-Chili-Paste vermengt worden war. Dazu gab es ein Pastinakenpüree mit Ahornsirup, Granola mit frittierten Pastinakenstückchen und Pistazie sowie eine Sauerkirschsauce.

Shredded Bambi
Den süßen Abschluss machte ein Schichtdessert aus Marzipan mit in Kahluasirup getränkten Amarettini, Nutella-Feuilletine und einer Kaffeemousse.
(c) Carin Grudda: Kleiner dicker Vogel
 
Kaffeedessert




Als Betthupferl kredenzte ich einen weiße Schokoladentrüffel mit einer fruchtigen Holunderbeer-Quittenfüllung und einem ordentlichen Schuss Sambuca. 























Freitag, 12. Februar 2016

Trai i mondi - Performance Dinner im Stadthaus Wetzlar

Am Samstag, dem 12. März 2016, findet um 19.30 Uhr ein Performance Dinner statt.

Das Menü beschäftigt sich mit den Werken der Künstlerin Carin Grudda!

Basierend auf den multimedialen Arbeiten der Künstlerin wird im Stadthaus am Dom in Wetzlar ein farbenfrohes Vier-Gänge-Menü zubereitet. Das Dinner bedient sich dabei der flamboyanten Bildsprache der Künstlerin. Es wird ebenso mit Märchen-Elementen spielen wie sich auch auf die deutschen und italienischen Wohnorte der Künstlerin beziehen. Und in Hinblick auf den Valentinstag   soll das Menü natürlich auch mit einer romantischen Note daherkommen.

Das Dinner ist nicht vegetarisch.

Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt.

Der Preis liegt bei € 75,- pro Person (inkl. aller Getränke).

Anmeldung unter: rb@rolf-baltromejus.com oder 0172-655 98 00

(c) Carin Grudda: Großes Erdbeerliebchen

Der Gießener Künstler Rolf Baltromejus: Kulinarische Kunst


http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=56469&key=standard_document_59200728

Kunst, die man essen kann

Artikel von Stephan Scholz aus dem Gießener Anzeiger vom 11.1.2016


Montag, 20. April 2015

Nikki Pelaez Performance-Dinner

Das Menü

Am vergangenen Samstag fand ein Performance-Dinner zu Ehren von Nikki Pelaez statt. Die aus den Niederlanden stammende Künstlerin ist seit einigen Monaten im neuen Programm „artherb“ der Galerie am Dom vertreten.
Ich persönlich war schon von den Fotografien ihrer Bilder hin und weg. Aber die echten Arbeiten vor Augen zu haben, erweckte eine reine Freude, die nicht mehr abklingen will.
Nikki Pelaez arbeitet mit vielen Materialien, die vielschichtig in ihre Werke eingearbeitet werden. Sie verwendet eigene Fotografien ebenso wie Abbildungen alter Kunstwerke und setzt diese unter Verwendung von Kreiden und Tinten in einer Vielzahl verschiedener Methoden zu neuen eigenständigen Arbeiten zusammen, die von Attraktion und Ablehnung, von Weichheit und Härte und Intimität erzählen. Ihre Arbeiten als Collagen abzustempeln, wäre daher viel zu einfach.
Vor allem durch das zum Schluss hinzugefügte Element in Weiß (meistens in Gestalt eines Tieres) entwickeln die Bilder eine mysteriöse, zauberhafte Schicht,  die sie auf einzigartige Weise erstrahlen lassen!
Als es nun darum ging, ein Thema für das nächste Performance-Dinner in der Weinrebe zu finden, musste ich also nicht lange überlegen und schlug Marc Colavincenzo vor, einen Abend für Nikki auszurichten.  Da er mittlerweile selbst ein großer Fan ihrer Arbeiten ist, musste ich nicht lange Überzeugungsarbeit leisten.
Das Menü lehnte sich stark an die bei dem Abend ausgestellten Werke an: Die abgebildeten Tiere kamen auf den Teller! Vor allem aber sollte sich auch das im eigentlichen Wortsinne Vielschichtige am Werk von Nikki Palaez – das Immer-wieder-Überarbeiten, Verfeinern und Erneuern, das Auflegen weiterer Schichten auf das Grundprodukt – im Essen widerspiegeln. Ich kochte, trocknete, frittierte, zerstieß, würzte usw., um nur ein Beispiel für die Verarbeitung einer (!) Zutat zu liefern.
Hier nun ein paar Aufnahmen vom Abend:
© Nikki Pelaez: Inspiration für das Amuse Bouche
Das Amuse Bouche: Masala-Taube mit kalter Erbsen-Joghurt-Suppe
Taubenhackbällchen mit eingelegter Karotte und Taubenbrust
Oranje lässt grüßen: Kürbisterrine mit Seidentofu und Saat

Der Frühlingsgang: Spargel mit Estragonstampf und Rhabarberhollandaise
© Nikki Pelaez: Inspiration für den Fischgang
© Nikki Pelaez
Black Tiger Prawn hit Matcha-Schmand, Gurke, Limettengel und Tempura
© Nikki Pelaez: Inspiration für den Hauptgang
Kalbsbäckchen mit Kräuterseitling und Blätterteig
Alter Gouda mit Apfel-Pflaumenweingelee und frittierten Kapern
© Nikki Pelaez: Inspiration für das Dessert
Meine Variante eines Grasshopper Pies: Schoko-Kokos-Cookie mit Maracujajelly, Minzsorbet und Kokosschaum
Slagroomtruffles